Als ich vorgestern den Auftrag für den Blog in dieser Woche gelesen habe, fragte ich mich ein wenig ärgerlich, wann ich in dieser letzten Woche vor der Abgabe meiner Bachelorarbeit die Zeit finden würde, eine Stunde lang die Natur zu geniessen.
Seit ungefähr fünf Wochen arbeite geht beinahe meine ganze Freizeit für die Bachelorarbeit drauf. Jeden freien Nachmittag, jeden Samstag und Sonntag sitze ich an meinem Laptop oder an der Nähmaschine.
Meine Mutter hat mir in dieser mühsamen Zeit oft geraten, mit ihr einen Spaziergang in der Natur zu machen oder mich einfach für eine kurze Zeit nach draussen zu sitzen. Nachgegangen bin ich diesen Ratschlägen nicht.
Wenn ich soviel zu tun habe und mich dann versuche hinzusetzen und das Nichtstun zu geniessen, kann ich mich am allerwenigsten entspannen. Es kreisen mir nämlich 1000 Gedanken durch den Kopf, wie ich was wann am besten erledige. Denke ich nur daran, was in diesem halben Jahr noch alles auf mich zukommt, werde ich beinahe wahnsinnig. Deshalb beschäftige ich mich lieber den ganzen Tag ununterbrochen, damit solche belastenden Gedanken den Weg in meinen Kopf gar nicht erst finden.
Heute, an diesem schönen frühlingshaften Tag, hatte ich besonders Mühe, nur in meinem Zimmer zu sitzen. Ich bin nämlich gerne in der Natur, aber aktiv. Ich muss eifach immer etwas tun.
Nun hatte ich mir für heute vorgenommen, meine Puppe (Teil meiner BA) fertigzunähen und an der Arbeit weiterzuschreiben. Als erstes musste ich sägen. Dafür ging ich gerne an die frische Luft. Auf dem Sitzplatz genoss ich das Gefühl der wärmenden Sonne auf meinem Rücken. Anschliessend musste ich den Kopf der Puppe an den Körper nähen. Dies erledigte ich in meinem Zimmer. Ich öffnete die Balkontüre und stellte einen bequemen Sessel in den Türeingang. Dort verbrachte ich zwei Stunden in der warmen Sonne mit Nähen. Ich konnte im Tshirt dasitzen und hatte beinahe zu heiss. Dies mag ich besonders an der Natur. Wenn es so warm ist, dass ich fast ins Schwitzen komme, aber nur fast.
Natürlich versuchte ich, den Auftrag doch bestmöglich umzusetzen und konzentrierte mich deshalb neben meiner Näharbeit auf die Eindrücke meiner Umgebung.
Leider hatte ein Bauer gerade heute die Idee, zu "gülnen", weshalb es nach dem Mittag unerträglich stank draussen. Ich überging diesen Gestank, weil ich es nicht ausgehalten hätte, bei diesem Wetter hinter geschlossener Balkontüre zu sitzen.
Etwa 100m vor unserem Haus finden gerade Bauarbeiten statt. Dies verursacht leider einen ziemlichen Lärm. Jedoch habe ich es geschafft, diesen zu überhören. Viel mehr genoss ich das Vogelgezwitscher und die Stimmen im Garten herumwerkelnder Nachbarn. Diese Geräusche gehören für mich zum Frühling.
Heute habe ich gemerkt, wie sehr ich mich auf wärmere Tage freue!
Ich hoffe natürlich, dass ich in den nächsten Wochen einmal die Zeit finden werde, die Natur zu geniessen ohne ständig über bevorstehende Arbeiten und Erledigungen nachzudenken. Am meisten freue ich mich auf das Am-See-Liegen. Dies ist der einzige Ort an der Natur, wo ich das Nichts-tun geniessen kann. Eigentlich schade, dass ich sonst so "ungemütlich" bin...